Mythisches und Mystisches in Stauchen


"Wenn's nebelt um die Sommerzeit / Sind Ell' und Clannthin gar nicht weit!"

So heißt es in einer volkstümlichen Bauernweisheit, die die geheimnisumwitterten Legendenländer in ihrer mystischen Aura zu beschreiben versucht. Doch so lange es den dunklen Wald und die ewig verhangenen Felslabyrinthe im Westen Stauchens gibt, so wenig Genaues weiß man doch um die Dinge, die in ihnen vorgehen. Selbst den Forschern der Akademie gelang es bisher kaum, Klarheit in die rauchschwere Dunkelheit zu bringen.
Glaubt man den vielen Geschichten, Legenden und Sagen der Staucher, so gibt es mehr Geheimnisse in den Legendenländern, als Sand in Feirefizens Tabronith. Und so muss jene kleine Auswahl an bekanntesten Mythenwesen genügen, die mit der freundlichen Unterstützung des Akademieleiters Ambrosius Wirbelstein von Grünfels-Stiefelstolz und des Fachbereichs Xenofaunistik der Tobrinthischen Akademie zu Stauchen hier zusammengestellt wurde.

Der Hexenzirkel

Der Hexenzirkel mag bei allen Unklarheiten noch das sicherste Wissensfaktum sein, um das man - und vor allem die Inquisition unter Krimbart Vierwind - weiß. Er ist, so kann man den "Schriften der elementaren Naturkräfte" entnehmen, ein "Zusammenschluss von weisen Frauen, die mit den Geheimnissen der unsichtbaren Welt vertraut sind". Einst lebten sie nur in den Wäldern der Legendenländer, doch findet man sie auch in den Erzlehen Stauchens, oft unscheinbar und unauffällig und nicht unbedingt so, wie sich das einfache Volk eine Waldhexe vielleicht vorstellt.
Der Zirkel selbst trifft sich an vier besonderen Nächten des Jahres im Herzen des Legendenwaldes am alten Wicca-Platz. Dort gibt es keine Unterschiede von Stand, Geschlecht oder Titel. Alle Frauen verbindet ihre Gabe und ihr Verständnis von dem Wirken der geisterhaften Kräfte in die diesseitige Welt hinein - ein Wissen, dass Krimbarts Klaue zunehmend brutal zu unterdrücken versucht, ist es in seinen Augen doch die "Fäulnis am Fuße des Herrscherthrons" und der "Dorn im Fleisch des Brüderglaubens". Sirinhilde steht den Hexen, ob ihrer Verschwiegenheit, skeptisch gegenüber, haben sie bisher das Stauchische Volk in Frieden leben lassen. Doch langsam gärt der bittere Saft, den Krimbart versprüht, wenn er von Viehpest und Kindstoden, Fluchzaubereien und blutigen Opferritualen spricht. Doch Sirinhilde III. hat sich noch nicht entschieden ...

Gnome und Kobolde

Die kleinen Wichte und Unsinnstreiber sieht man immer seltener in den letzten Jahren. "Das Klima ändert sich halt, und den Kobolden ist es zu nass hier bei uns", hört man die Bauern scherzen, während die Magister des Fachbereiches für Xenofaunistik den Gnomen und Kobolden Geburtenrückgang nachzuweisen wissen. Hier und da sieht man sie jedenfalls noch kichern und ulkend in Ecken und Winkeln stehen, sich vor Freude über einen gelungenen Scherz die Hände reibend oder Handel treibend um einen bunten Spielstein oder sonstigen unnützen Firlefanz, den sie so lieben wie die Zwerge ihr Gold - zumindest bis die Lust auf das nächste Spielzeug erwacht.

Feen und Elfen

Es ist noch nicht erwiesen, ob es Elfen im Clannthin gibt. Bisher scheint nur Arnives spitzohriges Erbe einen solchen Schluss zuzulassen, können diese doch nicht auf eine Verbindung zwischen Mensch und ellengroßer Fee zurückzuführen sein; außerdem hat sie keine Flügel, und - wie Trunkelfuß Minzwasser, der Feeologe der Akademie zu Tobrinthien, an zahlreichen Versuchen festgestellt haben will - diese setzen sich bei jeder ihrer Kreuzungen durch.
Von Feen gibt es verschiedene Lieder und Balladen, die im Volksmund und bei Hofe gerne vorgetragen werden und die die Zartheit und Schönheit der zerbrechlichen Blumen- und Pflanzenhüter preisen. Vor allem im Norden des Clannthin und in den östlichen Ausläufern der Nebelellen kann der mutige Sucher auf das ein oder andere neugierige Exemplar jener Gattung stoßen, die stets zu harmlosen Spielen und kleinen Neckereien aufgelegt sind. Nur drohen sollte man ihnen nicht, will man nicht den Zorn der ganzen Blumensippe heraufbeschwören, schlimmer als eine Sturmflut und quälender als eine Nacht in den Händen von 'Krimbarts Klaue'.

Irrlichter und Sirenen

Sind Erstere eher in den sumpfigen Regionen des Clannthins zu finden und für das Verschwinden der meisten Unachtsamen verantwortlich, schreibt man Letzteren eine ähnliche Wirkung zu, die sie auf die lebensmüden Wanderer durch die Nebelellen ausüben. Über die Konsistenz von Irrlichtern weiß man tatsächlich ... nichts, nichts bis auf das, was ihr Name verrät, denn jeder, der ihnen so nahe kommt, dass er ihre materielle Beschaffenheit erkennen könnte, nimmt sein Wissen nur wenige Momente später mit in sein Grab. Bei Sirenen ist es wiederum ähnlich. Auch ihnen wird man sich kaum nähern können, will man sich ihnen nicht ganz verschreiben, doch lassen ihre verzaubernden Stimmen, die der Wind manchmal bis an die Ausläufer der Nebelellen trägt, vermuten, dass ihre Körper ihnen an betörender Anmut in nichts nachstehen. Doch niemand weiß Genaueres, oder will Genaueres wissen, muss er seine Erkenntnis doch mit dem Tode bezahlen.


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